Am 08. Mai 2025 hat sich zum achtzigsten Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges genährt. Durch die Kapitulation des Aggressors Deutschlands wurde ein sechsjähriger Krieg beendet, der weltweit 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Die Zerstörung der Kultur – zuerst der geistigen und dann auch der materiellen – wurde von den Machthabern und ihren Unterstützern von Anfang an mit in Kauf genommen. Dies war auch in Hildesheim der Fall, so dass die Einwohner beides waren: Täter und Opfer. Der 8. Mai erinnert deswegen jährlich an die tiefen Einschnitte des Zweiten Weltkrieges und soll auch eine Mahnung für die Zukunft sein.
Anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes hat die Stadt Hildesheim diesem Thema in 2025 besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, verschiedene Künstlerinnen und Künstler sowie (Kultur-)Institutionen hatten Veranstaltungsformate entwickelt, die im Jahr 2025 Zugänge zu dem Thema ermöglichten. Im Folgenden eine Übersicht der vergangenen Veranstaltungen:
Der Hildesheimer Friedenstag 2025Zum neunten Mal wurde mit dem „Hildesheimer Friedenstag“ der Zerstörung der Stadt Hildesheim am 22. März 1945 gedacht. Neben der Vergabe des „Hildesheimer Friedenspreises“ wurde die traditionelle „Hildesheimer Friedensrede“ gehalten – in diesem Jahr von dem ehemaligen Bundespräsidenten und vormaligen Ministerpräsident von Niedersachsen, Herrn Christian Wulff.
Die ausführliche Pressemitteilung finden Sie hier.
Veranstaltungsort:
St. Andreaskirche
Andreasplatz 6
31134 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Stadt Hildesheim
Gedenkkonzert – Zu 80 Jahren Bombardierung HildesheimsMit Johannes Brahms „Schicksalslied“ und Benjamin Brittens „Sinfonia da Requiem“ wurde der Bombardierung Hildesheims am 22. März 1945 und dem Ende des Krieges vor 80 Jahren gedacht. Bomben und Krieg sind leider in Europa und weltweit noch immer gegenwärtig. Mit der „Elegie zum Gedenken an Stanislav Ljudkevyč“ des ukrainischen Komponisten Evhen Stankovyč wurde an all die Frauen, Männer und Kinder erinnert, die unter den aktuellen Konflikten und Kriegshandlungen leiden.
Veranstaltungsort:
Theater für Niedersachsen, Großes Haus
Theaterstraße 6
3114 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Theater für Niedersachsen; Opernchor des tfn und tfn_philharmonie sowie Generalmusikdirektor Florian Ziemen (Dirigent)
FriedensgottesdienstVor 70 Jahren weihte die Martin-Luther-Gemeinde eine Gedenktafel für die Verstorbenen des 2. Weltkrieges ein. Im Rahmen eines Friedensgottesdienstes wurde eine erneuerte Gedenktafel als Ergänzung vorgestellt, die nach 70 Jahren nun weitere Opfergruppen berücksichtigt. Gemeinsam wurde an das Ende des 2. Weltkrieges erinnert und das Gedenken aktualisiert, damit ein Lernen aus der Geschichte stattfinden und sich für eine friedliche Gegenwart und Zukunft eingesetzt werden kann. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Frau Prof. Jutta Rübenacker an der Violine begleitet.
Veranstaltungsort:
Martin-Luther-Kirche
Martin-Luther-Straße 33
31137 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Martin-Luther-Kirchengemeinde; Pastor Lutz Krügener und Wilfried Duckstein
Hildesheim: Blüte – Zerstörung – WiederaufbauVideoinstallation und begleitende Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus- Museum Hildesheim
Die Bombardierung am 22. März 1945 hat sich in die Erinnerung vieler Hildesheimer*innen eingebrannt und prägt bis heute das Stadtbild. Anlässlich des 80. Jahrestages gedenkt das Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) in Zusammenarbeit mit der Digital Pioniere UG aus Hildesheim diesem Ereignis mit einer Videoinstallation und einer kleinen Begleitausstellung. Zeitzeugenberichte werden ergänzt durch umfangreiches, zum Teil bislang unveröffentlichtes Foto-, Film- und Tonmaterial aus u.a. eigenen Beständen, dem Hildesheimer Stadtarchiv und dem Verlagsarchiv Gebrüder Gerstenberg. Fakten treffen auf Emotionen - so entsteht ein dichtes erzählerisches Szenario, das thematisch weit über den 22. März hinausgeht und Hildesheims Blütezeit, Zerstörung und Wiederaufbau von 1850 bis 1990 aus unterschiedlichen Perspektiven zeigt. Die Ausstellungslandschaft und ein museumspädagogisches Begleitprogramm bieten Unterstützung und Anknüpfungspunkte für die Beschäftigung mit dem Thema. Das Projekt wurde von wichtigen Hildesheimer Zeitzeugen und Beratern unterstützt. Besonderer Dank gilt Herrn Karl Scheide, Herrn Karl-Heinz Heineke und Herrn Eberhard Arndt.
Das Projekt "Hildesheim: Blüte - Zerstörung - Wiederaufbau" wird großzügig unterstützt durch die RPM Stiftung, die Klosterkammer Hannover, die Bürgerstiftung Hildesheim, die Friedrich-Weinhagen-Stiftung, die Heinrich-Dammann-Stiftung und die Hildesheimer Bildungsstiftung.
Veranstaltungsort:
Roemer- und Pelizaeus- Museum Hildesheim
Am Steine 1 – 2
31134 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Roemer- und Pelizaeus- Museum Hildesheim in Kooperation mit der Digital Pioniere UG aus Hildesheim
Gedenkstunde auf dem Hildesheimer NordfriedhofAm 27. März 1945 begannen auf dem Hildesheimer Marktplatz eine Reihe von öffentlichen Hinrichtungen, die in Hildesheim und andernorts bis zum 5. oder 6. April fortgesetzt wurden. Insgesamt ließen die nationalsozialistischen Machthaber 209 Menschen ermorden. Sie waren mit einer Ausnahme ausländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, größtenteils Italiener. Auf dem Nordfriedhof erinnert der Gedenkstein mit der Inschrift „208 Unbekannte“ und das Denkmal mit der Inschrift „Ai Caduti Italiani“ („Den italienischen Gefallenen“), dass das italienische Konsulat Hannover errichten ließ, an die dort beerdigten. Anlässlich der 80-jährigen Wiederkehr der willkürlichen Hinrichtungen kurz vor dem Kriegsende hatte die Stadt Hildesheim zusammen mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft zu einer Gedenkstunde eingeladen. Neben einem musikalischen Rahmenprogramm waren Redebeiträge von Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer, David Michelut, dem italienischen Generalkonsul aus Hannover, und weiterer Honoratioren zu hören.
Am Nachmittag fand auf dem Hildesheimer Marktplatz eine Performance zu ebendiesem Thema statt.
Veranstaltungsort:
Nordfriedhof (an den Denkmälern, Ausländerabteilung, gegenüber den Bombenopfern)
Eingang Richthofenstraße 48 – 49
31137 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Deutsch-Italienische Gesellschaft Hildesheim e.V. und Stadt Hildesheim
Der Akt der Reinigung – L’atto di pulireKünstlerische Performance von Gianluca Monnier
Auf dem zerbombten Hildesheimer Marktplatz wurden am 27. März 1945 über 150 italienische Militärinternierte gehängt. Im Rahmen einer Performance wurde das Kopfsteinpflaster des Hildesheimer Marktplatzes mit Schwämmen gereinigt und die Materialien wurden in eine Installation überführt. Das mit Schmutz getränkte Wasser tropfte auf Leinwände und erzeugte einen Effekt im Dripping-Stil Jackson Pollocks. Diese Technik erhielt hier eine kontextuelle Bedeutung und symbolisierte den unaufhörlichen Fluss von Erinnerung und Schuld, der weder ignoriert noch getilgt werden kann. Die entstandenen Kunstwerke wurden ab April 2025 in der Galerie im Stammelbachspeicher ausgestellt.
Am Vormittag fand auf dem Nordfriedhof eine Gedenkstunde mit Kranzniederlegung zu ebendiesem Thema statt.
Veranstaltungsort:
Marktplatz vor dem Historisches Rathaus
Markt 1
31134 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Gianluca Monnier und Galerie im Stammelbachspeicher
Stolpersteinverlegung und Gedenkstunde39 Stolpersteine wurden in diesem Jahr im Stadtgebiet verlegt, darunter der 300. Stolperstein in Hildesheim. Im Rahmen der Verlegung fand eine Gedenkfeier von 11:00 – 11:50 Uhr auf dem Hindenburgplatz, vor dem Cafè deseo statt.
Hier finden Sie weitere Informationen zu den Orten und Uhrzeiten der Verlegungen an diesem Tag.
Rundgang über den Nordfriedhof - 80 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus, 80 Jahre EndphaseverbrechenDie sogenannten „Endphaseverbrechen“ gehören zu den kurz vor Kriegsende verübten Verbrechen des damals schon fast besiegten nationalsozialistischen Deutschlands. Bekannt sind die Todesmärsche vor der Befreiung durch die herannahenden Truppen der Alliierten, auf denen Zehntausende starben oder ermordet wurden. Weniger bekannt sind die vielen kleinen Verbrechen, bei denen es um die Einschüchterung der Bevölkerung, aber besonders um Beseitigung von Zeugen ging. Diese fanden auch in Hildesheim statt. Ganz besonders hatten italienische Kriegsgefangene zu leiden, die durch den Wechsel Italiens auf die Seite der Alliierten nach dem Sturz Mussolinis als Verräter angesehen wurden. Insgesamt wurden in den wenigen Apriltagen vor der Befreiung am 7. April 1945, mehr als 200 Menschen ermordet. Hintergrundinformationen dazu erhalten Sie hier.
Der Stadtteilverein Nordstadt.Mehr.Wert e.V., vertreten durch seinen Vorsitzenden Ekkehard Domning, hat anlässlich des 80. Jahrestages dieser Verbrechen einen Rundgang über den Nordfriedhof angboten. Nach einer Einleitung in das Thema wurde über mehrere Stationen (Ersatzgefängnis, Gräberfeld der Zwangsarbeiter sowie Gräberfelder der Bombenopfer und ausländischen Kriegsopfer) der Nordfriedhof begangen.
Veranstaltungsort:
Nordfriedhof Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Vorsitzender Ekkehard Domning (Nordstadt.Mehr.Wert. e.V.)
Performance „Schwarz Rot Geil“Performance mit anschließendem Nachgespräch
Die Performance „Schwarz Rot Geil“ des Kollektivs cindy+cate hat sich kritisch mit Deutscher Erinnerungskultur auseinandergsetzt. Zitat der Veranstalter*innen: „Schwarz Rot Geil beschäftigt sich mit Fragen nach Vergessen, Erinnerung und Identität. Das deutsche Selbstverständnis ist schon lange kein antifaschistisches mehr. Das eigentliche Ziel gerät in Vergessenheit: Niemals darf sich die Geschichte wiederholen. Sich den Strukturen des Vergessens zu stellen ist politische Erinnerungsarbeit. Politische Erinnerungsarbeit ist Zukunftsgestaltung.“
Nach der Performance gab es ein Nachgesprächsangebot, um über das Gesehene in Austausch zu kommen.
Veranstaltungsort:
Theaterhaus Hildesheim
Langer Garten 23C
31137 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Kollektiv cindy+cate
Trug und Schein – Eine Liebesgeschichte in Briefen von 1938 bis 1945Szenische Lesung mit Musik und Gespräch
Am 08. Mai 1945 hatten sich „Hilde“ und „Roland“ (Pseudonyme) seit 8 Jahren Liebesbriefe geschrieben. 2591 ihrer Briefe überstanden den Krieg. Am 80. Jahrestag dieses Datums schlüpften Manuela Hörr und Mark Roberts im Foyer des Theaterhauses in die Rollen von „Hilde“ und „Roland“ und lasen live aus dem Briefwechsel, von dessen Beginn 1938 bis zum Bombenhagel der Alliierten 1945, und gaben damit einen aufschlussreichen Einblick in den Kriegsalltag eines durchschnittlichen deutschen Paares.
Die Veranstaltung war der Abschluss einer Radioreihe: die vertonte Ausstrahlung der Briefe lief seit 2013 in über 200 Sendungen bei Radio Tonkuhle und anderen (überregionalen) Radiosendern. Ermöglicht wurde dieses Projekt von Dr. Thomas Muntschick (Radio Tonkuhle) als Redakteur, von Manuela Hörr und Mark Roberts vom Theater R.A.M., sowie dutzenden Freiwilligen.
Flankierend zu der Veranstaltung führte Dr. Thomas Muntschick ein Werkstattgespräch über Beginn und Umsetzung des Projektes, internationale Zusammenarbeit und die Beschäftigung dreier Generationen mit dem Erzählten.
Veranstaltungsort:
Foyer des Theaterhaus Hildesheim
Langer Garten 23C
31137 Hildesheim
Veranstalter/Ausführende:
Manuela Hörr und Mark Roberts (Theater R.A.M. Hildesheim) sowie Dr. Thomas Muntschick
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